Zum Inhalt springen
OZD.news - News und Nachrichten zum Nachschlagen
QR-Code zu www.online-zeitung-deutschland.de
Diesen Artikel teilen

USA kündigen Ukraine-Dreiergespräche in Abu Dhabi an

Die USA moderieren in Abu Dhabi neue Gespräche zwischen Russland und der Ukraine. Im Fokus stehen Sicherheit, Deeskalation und Hoffnung auf Frieden.

Fakten im Überblick

Die USA laden Russland und die Ukraine am 10. und 11. November zu Gesprächen nach Abu Dhabi ein.

Bei russischen Angriffen in Komyschuwacha in der Ukraine starben mindestens 26 Menschen.

Frankreich und Großbritannien starten erstmals eine multinationale Ukraine-Übung in Polen.

Inmitten fortwährender Gewalt in der Ukraine kündigen die USA neue diplomatische Anstrengungen an. Am 10. und 11. November sollen Vertreter der Ukraine, Russlands und der USA im Golfemirat Abu Dhabi zusammenkommen. Der US-Sondergesandte Steve Witkoff erklärte, die Vereinigten Staaten würden die "Verhandlungen auf Arbeitsebene zwischen der Ukraine und Russland moderieren" und damit die "Mission" von US-Präsident Donald Trump zur Beendigung des Krieges fortsetzen. Im Mittelpunkt stehen laut Witkoff "Sicherheitsvereinbarungen für die Zeit nach dem Krieg, Deeskalation, humanitäre Maßnahmen sowie weitere Schritte auf dem Weg zum Frieden". Zusätzlich kündigte er Gespräche der US-Unterhändler mit europäischen und Nato-Vertretern in Brüssel an.

Doch die Hoffnung auf Fortschritte wird überschattet von anhaltenden Angriffen. Nach Angaben des ukrainischen Gouverneurs Mychailo Semikin starben bei russischen Luftangriffen auf das Dorf Komyschuwacha in der Region Saporischschja mindestens 26 Menschen. Unter den Getöteten sind laut Semikin "ein Polizeibeamter und zwei Rettungskräfte des staatlichen Rettungsdienstes". Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj berichtete, eine Schule, die zu "humanitären Zwecken" genutzt wurde, sei gezielt attackiert worden. "Menschen haben dort humanitäre Hilfe erhalten". Die Angriffe erfolgten gerade in dem Moment, als die ersten Hilfesuchenden eintrafen. Ein zweiter Luftschlag traf einen Schutzraum, in den sich Menschen geflüchtet hatten.

Selenskyj verurteilte die Angriffe als "entsetzlich". Die Attacken zerstörten die Hoffnung auf "Fortschritte hin zum Frieden". Er sagte: "Nach der humanitären Operation in Oleschky gab es einen Moment, an dem die nächsten Schritte hätten zeigen können, dass Fortschritte hin zum Frieden möglich sind". Er fügte hinzu: "Mit diesen Tötungen sendet Russland ein komplett gegensätzliches Signal aus: Russland setzt auf mehr Tötungen."

Nach Angaben der ukrainischen Behörden war in der südukrainischen Stadt Oleschky am Sonntagabend eine sechstägige Feuerpause ausgelaufen. Kurz darauf setzte Russland laut ukrainischen Angaben seine Angriffe in der Region fort. Auch Russland meldet Angriffe aus der Ukraine: Nach Angaben von Bürgermeister Sergej Sobjanin seien 493 Drohnen in der Nacht zu Dienstag auf Moskau zugeflogen. Die meisten seien in größerer Entfernung zerstört worden, 187 "als sie sich Moskau näherten" abgewehrt worden.

Kurz vor dem Dreiergespräch in Abu Dhabi demonstrieren Frankreich und Großbritannien Entschlossenheit. Für den 9. November kündigten sie erstmals eine multinationale Militärübung der "Koalition" in Polen an. Bis zum 22. November trainieren rund 2800 Soldaten aus zehn europäischen Staaten, darunter auch aus Deutschland, in der Nähe von Nowa Deba – etwa hundert Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt. Ziel ist es, die Verlegbarkeit und Einsatzfähigkeit der Multinationalen Truppe für die Ukraine zu testen. Voraussetzung bleibt ein Abkommen mit Russland über einen Waffenstillstand.

OZD/AFP

OZD-Kommentar – Verhandlungen zwischen Kriegsrealität und Hoffnung

Das neue Dreiergespräch in Abu Dhabi ist ein wichtiges Signal, dass die Suche nach einer diplomatischen Lösung im Ukraine-Krieg nicht abreißt. Doch der Zeitpunkt der Ankündigung, ausgerechnet nach einem der tödlichsten Angriffe auf Zivilisten seit Wochen, macht schmerzhaft klar, wie weit Weg und Realität voneinander entfernt liegen. Die USA nehmen sich als Vermittler in die Pflicht, doch das Töten geht weiter.

Gleichzeitig zeigen Frankreich, Großbritannien und ihre Partner durch die "Koalition"-Übung, wie stark der westliche Rückhalt für die Ukraine bleibt. Militärische Bereitschaft und Gipfeltreffen auf höchster Ebene laufen Hand in Hand. Nach meiner Einschätzung ist in der jetzigen Eskalationslage kurzfristig keine Friedenslösung zu erwarten. Wichtiger denn je bleiben dennoch Kanäle wie das Dreiertreffen, um künftige Verständigung überhaupt möglich zu machen.

Historischer Hintergrund

Der russische Angriff auf die Ukraine im Februar 2022 führte rasch zu internationalen Vermittlungsversuchen, die jedoch immer wieder ins Stocken gerieten. Die Rolle der USA als zentraler Akteur zieht sich durch den gesamten Konfliktverlauf. Im Februar trafen Delegierte aus Moskau, Kiew und Washington zuletzt in der Schweiz zusammen – ohne Durchbruch. Die Militärübung "Koalition" in Polen ist ein Ergebnis einer gemeinsamen Initiative von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, dem ukrainischen Präsidenten Selenskyj und dem damaligen britischen Premierminister Keir Starmer. Im Rahmen der sogenannten Koalition der Willigen wurde in Paris eine entsprechende Absichtserklärung unterzeichnet.

Zukunftsprognose

Die Gespräche in Abu Dhabi könnten neue Impulse setzen, einen raschen Waffenstillstand erwarten Beobachter jedoch nicht. Humanitäre Vereinbarungen und lokale Befriedung sind vorstellbar, während die internationale Militärpräsenz wachsen dürfte. Für Europa bleiben politische und wirtschaftliche Unsicherheiten hoch, polnische und osteuropäische Märkte könnten sensibel auf neue Entwicklungen reagieren. Ein umfassender Frieden scheint weiterhin fern, doch jeder Dialog erhält zumindest eine Chance auf Deeskalation.

Erklärungen

Was sind die Dreiergespräche in Abu Dhabi?

Die USA moderieren Gespräche zwischen Russland und der Ukraine in Abu Dhabi. Thematisiert werden Sicherheit, Deeskalation, humanitäre Themen und Schritte nach dem Krieg.

Was ist die "Koalition" für die Ukraine?

Die "Koalition" ist eine multinationale Truppe aus zehn europäischen Ländern, die nahe der ukrainischen Grenze in Polen ihre Einsatzfähigkeit für die Ukraine trainiert.

OZD-Extras

Die militärische Übung in Nowa Deba findet rund hundert Kilometer von der Grenze zur Ukraine entfernt statt und zeigt europäische Entschlossenheit.

Politische Unsicherheit und neue Angriffe könnten laut Experten kurzfristige Auswirkungen auf Finanzmärkte in Osteuropa haben, doch bleibt der Marktverlauf schwer prognostizierbar.

Gewinnspiel

In welcher Stadt finden die neuen Gespräche zwischen Russland, der Ukraine und den USA statt?

A) Abu Dhabi

B) Paris

C) Nowa Deba

D) Moskau

Zum Gewinnspiel

Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.