Fakten im Überblick
Der Deutsche Eishockey-Bund fordert zügig Klarheit zur Russland-Frage bei der WM 2025.
Nach dem CAS-Urteil könnten russische Teams teilnehmen, was Proteste und Sponsorenrückzug auslöst.
Die Bundesregierung hält eine WM mit Russland für "faktisch unmöglich".
Im Vorfeld der Eishockey-Weltmeisterschaft 2025 fordert der Deutsche Eishockey-Bund eine schnelle Lösung im Konflikt um die mögliche Teilnahme Russlands. "Wir wollen eine schnelle Entscheidung, aber ich will auch keinen zu großen Zeitdruck entfachen", erklärte Vorstandsvorsitzender Frank Lutz am Rande des Spiels gegen Lettland in Düsseldorf. "Das ist im Moment eher kontraproduktiv. Ich bin optimistisch, dass wir in naher Zukunft eine Lösung hinbekommen werden."
Lutz betonte weiter: "Wir wollen die Weltmeisterschaft nächstes Jahr in Deutschland abhalten. Und ich bin auch sehr optimistisch, dass wir das schaffen werden." Trotzdem sei die Lage eine "komplizierte Situation". Demnach sei es "selbstverständlich möglich", dass die Bundesregierung der russischen Mannschaft keine Visa ausstellt. Lutz machte klar, dass dies das letzte Mittel sei. "Wir reden immer darüber, dass wir die Autonomie des Sport haben und dass wir unsere Probleme selbst lösen wollen." Auch "Nicht zuletzt auch die Olympia-Bewerbung" müsse dabei bedacht werden.
Lutz setzt auf Dialog sowohl mit dem Weltverband IIHF als auch mit Russland. Es sei "gut, wenn wir alle Parteien ein bisschen auch als Pendeldiplomatie zusammenbringen, bevor die Politik entscheiden muss." Die IIHF betonte, man halte sich "alle verfügbaren Optionen" offen und wolle mit betroffenen Verbänden, auch Russland, sprechen, "um einen konstruktiven Weg nach vorn zu finden".
Dringlich ist die Klärung auch mit Blick auf den Kartenverkauf: "Es gibt einen existierenden Spielplan, auf den verlassen wir uns auch." Der DEB hofft auf neue Argumente vor dem Internationalen Sportgerichtshof, damit bei geänderten Sachverhalten eine neue Entscheidung möglich wird. Nach dem CAS-Beschluss, russische Teams zuzulassen, gab es Boykottdrohungen – unter anderem von Weltmeister Finnland – und Sponsoren kündigten Rückzüge an. Lutz brachte auch die Rückgabe der Gastgeberrolle ins Spiel. Die Bundesregierung sagte Unterstützung zu. Regierungssprecher Stefan Kornelius betonte: "Sportlich und wirtschaftlich" sei eine Ausrichtung der WM mit Russland "faktisch unmöglich". Das letzte Wort dürfte jedoch noch nicht gesprochen sein.
OZD/AFP
OZD-Kommentar – Zwischen Verantwortung und politischem Druck
Der DEB sieht sich mit einer der komplexesten Herausforderungen in seiner jüngeren Geschichte konfrontiert. Die Balance zwischen sportlicher Unabhängigkeit, internationalen Vorgaben und klarer politischer Haltung ist nur schwer zu halten. Lutz versucht, weder vorschnellen Lösungen noch verfehlter Hektik nachzugeben. Doch Sponsorenrückzüge und Boykottdrohungen führen die Grenzen der sportlichen Autonomie vor Augen. Je länger es keine Entscheidung gibt, desto größer werden Unsicherheit und wirtschaftliche Risiken. Das Risiko, dass die WM ihren Rahmen verliert, steigt mit jedem Tag – und nur ein kluger, für alle tragbarer Kompromiss bietet einen Ausweg. Wahrscheinlich kann es nur im Dialog gelingen, der auch internationale Befindlichkeiten berücksichtigt.
Historischer Hintergrund
Die Diskussion ist Folge eines Urteils des Internationalen Sportgerichtshofs (CAS), wonach russische Nationalmannschaften wieder an internationalen Eishockey-Turnieren teilnehmen dürfen. Seit Russlands Angriff auf die Ukraine waren russische Teams ausgeschlossen. Nachvollziehbar ist daher, dass andere Nationen wie Finnland mit Boykott drohen und zahlreiche Sponsoren ihr Engagement infrage stellen. Deutschland richtet die WM 2025 nach mehreren Jahren wieder aus – umso größer die Bedeutung der aktuellen Entscheidung.
Zukunftsprognose
Es ist wahrscheinlich, dass die Debatte in den kommenden Wochen an Intensität gewinnt. Möglicherweise könnte ein Szenario entstehen, in dem Russland erneut vom Turnier ausgeschlossen oder zum Start unter neutraler Flagge eingeladen wird, sollten politische Rahmenbedingungen dies erfordern. Wirtschaftliche Verluste und internationale Imageschäden sind realistische Risiken. Dass ein tragfähiger Kompromiss gefunden wird, ist noch offen und hängt vom Dialog der beteiligten Parteien ab.
Erklärungen
Was ist der Internationale Sportgerichtshof (CAS)?
Der Internationale Sportgerichtshof (CAS) ist eine unabhängige Institution in Lausanne, die internationale Sportstreitigkeiten entscheidet.
Was ist der Deutsche Eishockey-Bund (DEB)?
Der Deutsche Eishockey-Bund ist der Dachverband für Eishockey in Deutschland und verantwortet die Organisation internationaler Turniere im Land.
OZD-Extras
Das Szenario eines Sponsorensprungs ist außergewöhnlich und hätte direkte wirtschaftliche Folgen für deutsche Austragungsorte, ist aber bislang noch nicht an den Börsen sichtbar geworden. Eine Rückgabe der Gastgeberrolle an die IIHF käme einem historischen Schritt gleich, der zuletzt nur sehr selten vollzogen wurde. Die Austragungsorte Gelsenkirchen, Düsseldorf und Mannheim würden im internationalen Fokus stehen, sollte das Turnier stattfinden.
Gewinnspiel
In welchen Städten soll die Eishockey-WM 2025 laut aktuellem Spielplan stattfinden?
A) Gelsenkirchen, Düsseldorf, Mannheim
B) Berlin, Hamburg, Köln
C) Leipzig, München, Stuttgart
D) Frankfurt, Dresden, Hannover
Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.