Francesco Friedrich hat im Viererbob-Weltcup von Winterberg ein Ausrufezeichen gesetzt. In seinem 100. Weltcup-Rennen setzte sich der langjährige Dominator hauchdünn gegen Dauerrivale Johannes Lochner durch und feierte seinen zweiten Saisonsieg in der Königsdiziplin. Rund einen Monat vor den Olympischen Spielen war der Erfolg für Friedrich ein dringend benötigter Stimmungsaufheller nach einer bislang für seine Maßstäbe enttäuschenden Saison.
Mit seinen Anschiebern Matthias Sommer, Alexander Schüller und Costa Laurenz lag der viermalige Olympiasieger nach zwei Läufen lediglich 0,02 Sekunden vor Lochner. Der Bayer hatte einen Tag zuvor im Zweier triumphiert und verpasste damit ein perfektes Wochenende nur knapp. Den deutschen Dreifacherfolg komplettierte Adam Ammour auf Rang drei mit lediglich 0,06 Sekunden Rückstand.
„Es war sehr spannend, ein krasses Rennen“, sagte Friedrich, der im Zweier am Samstag noch Dritter geworden war. „Im zweiten Lauf hatten wir ein schlechteres Rennen, weshalb es dann nochmal eng wurde.“ Durch den Erfolg verkürzte der Pilot aus Pirna seinen Rückstand im Gesamtweltcup auf Lochner auf 25 Punkte.
Lochner zeigte sich trotz des verpassten Sieges zufrieden. „Mir macht es unfassbar viel Spaß gegen Francesco. Das sind seit zehn Jahren Duelle auf Augenhöhe. Wenn man um Hundertstel kämpft, ist das genau das, was den Sport so besonders macht“, sagte der weiterhin führende Gesamtweltcup-Spitzenreiter.
Bis zum Saisonhöhepunkt bei den Olympischen Spielen in Cortina d’Ampezzo stehen noch zwei Weltcups auf dem Programm. Während Lochner in seiner letzten Saison vom ersten Olympiasieg träumt, peilt Friedrich Goldmedaillen fünf und sechs an – und damit einen historischen Meilenstein im Bobsport. OZD
OZD-Kommentar – Friedrich lebt, Lochner bleibt der Maßstab
Dieser Sieg war mehr als nur ein Weltcup-Erfolg. Für Francesco Friedrich war er eine mentale Befreiung. Nach Wochen, in denen Johannes Lochner scheinbar alles gewann, meldet sich der Serienchampion eindrucksvoll zurück. Doch der knappe Abstand zeigt auch: Die Dominanz früherer Jahre ist Geschichte. Lochner ist nicht mehr der Jäger, sondern der Maßstab. Für Olympia verspricht dieses Duell ein Nervenspiel – entschieden wird es nicht durch Ruhm, sondern durch Hundertstel.
Mini-Infobox
Wettbewerb: Viererbob-Weltcup Winterberg
Sieger: Francesco Friedrich
Vorsprung: 0,02 Sekunden
Deutsches Podium: Friedrich, Lochner, Ammour
OZD-AnalyseBedeutung des Sieges für Friedrich
a) Psychologischer Befreiungsschlag
b) Signal an die Konkurrenz
c) Verkürzter Rückstand im Gesamtweltcup
Lochner bleibt konstant
a) Sieben Saisonsiege
b) Führender im Gesamtweltcup
c) Stabilster Pilot der Saison
Ausblick auf Olympia
a) Zwei Weltcups verbleiben
b) Deutsches Duell auf Augenhöhe
c) Hundertstel als entscheidender Faktor
Wer ist Francesco Friedrich?
Francesco Friedrich ist ein deutscher Bobpilot aus Pirna und zählt mit
vier Olympiasiegen und zahlreichen Weltmeistertiteln zu den
erfolgreichsten Athleten der Sportgeschichte.
Wer ist Johannes Lochner?
Johannes Lochner ist ein deutscher Bobpilot aus Bayern und mehrfacher
Weltcup-Gesamtsieger, der für seine Konstanz und Präzision bekannt ist.
Was ist der Viererbob?
Der Viererbob ist die Königsdisziplin im Bobsport, bei der ein Pilot mit
drei Anschiebern in einem Bob möglichst fehlerfrei und schnell durch
den Eiskanal steuert.
Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.
OZD-ExtrasFriedrich gewann sein 100. Weltcup-Rennen ausgerechnet auf der Bahn, auf der er bereits mehrere WM-Titel gefeiert hat – ein symbolischer Sieg zur richtigen Zeit.