Fakten im Überblick
Privatjets verursachten 2025 laut Oxfam weltweit rund 16 Millionen Tonnen CO2.
An deutschen Flughäfen starteten dem Bericht zufolge mehr als 55.000 Privatjets mit zusammen über 182.000 Tonnen CO2-Ausstoß.
71 Prozent der untersuchten Investitionen von 1000 Milliardären flossen laut Oxfam in besonders klimaschädliche Branchen wie Öl, Gas oder Chemie.
Privatjets von Superreichen verursachen nach Berechnungen der Entwicklungsorganisation Oxfam innerhalb kürzester Zeit so viele CO2-Emissionen wie deutlich ärmere Menschen in einem ganzen Jahr. In dem am Dienstag veröffentlichten Bericht "Disaster Divide" rechnet die Organisation vor, dass Privatjets weltweit 2025 innerhalb von nur zwei Sekunden mehr CO2 verursachten als ein Mensch aus den ärmsten 50 Prozent der Weltbevölkerung durchschnittlich im gesamten Jahr.
Auch im Vergleich mit Deutschland fällt die von Oxfam errechnete Bilanz deutlich aus. Demnach verursachen Privatjets weltweit in weniger als einer halben Stunde mehr CO2 als ein durchschnittlicher Bürger in Deutschland während eines ganzen Jahres. Insgesamt beliefen sich die Emissionen der Privatjets 2025 laut Bericht auf rund 16 Millionen Tonnen CO2. Ein einzelner Privatjet-Flug verursachte demnach durchschnittlich 3,7 Tonnen CO2 und damit fast so viel wie ein Mensch im weltweiten Durchschnitt innerhalb eines Jahres.
Auch Deutschland spielt nach Angaben der Organisation eine Rolle im internationalen Privatjet-Verkehr. 2025 starteten an deutschen Flughäfen laut Oxfam mehr als 55.000 Privatjets. Zusammen verursachten diese Flüge dem Bericht zufolge mehr als 182.000 Tonnen CO2. Oxfam kritisiert insbesondere das Verhältnis zwischen den Emissionen des Luxuskonsums und dem durchschnittlichen persönlichen CO2-Ausstoß.
Noch größer ist nach den Berechnungen der Organisation die Klimawirkung der Investitionen sehr vermögender Menschen. Oxfam untersuchte für den Bericht die Investitionen von 1000 Milliardären im Jahr 2025. Nach Angaben der Organisation flossen 71 Prozent dieser Investitionen in besonders klimaschädliche Sektoren wie Öl, Gas oder Chemie.
Die damit verbundenen Investitionsemissionen beziffert Oxfam auf insgesamt 486 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente. Nach Berechnungen der Organisation verursacht ein Milliardär über seine Investitionen im Durchschnitt innerhalb von etwas mehr als einer Minute mehr Treibhausgasemissionen als ein Mensch aus der ärmeren Hälfte der Weltbevölkerung in einem ganzen Jahr. Bei den 49 Deutschen unter den untersuchten 1000 Milliardären lagen die Investitionsemissionen laut Oxfam durchschnittlich bei 704.881 Tonnen CO2-Äquivalenten und damit deutlich über dem internationalen Durchschnitt.
"Überreiche treiben die Welt in den Klimakollaps", kritisierte Oxfam-Referent Manuel Schmitt. Die "kleine Minderheit" der Milliardäre verursache "mit ihrem Luxuskonsum und ihren Investitionen" unverhältnismäßig viele Emissionen. Oxfam fordert deshalb eine stärkere Besteuerung hoher Vermögen, von Privatjets sowie von Übergewinnen insbesondere fossiler Konzerne. "Wer die Klimakrise so stark befeuert, muss auch für ihre Bewältigung zahlen, statt die Kosten auf die Allgemeinheit abzuwälzen", erklärte Schmitt.
OZD/AFP
OZD-Kommentar - Klimaschutz trifft auf die Verteilungsfrage
Der Oxfam-Bericht verbindet zwei Debatten miteinander: Klimaschutz und wirtschaftliche Ungleichheit.
Dabei geht es nicht allein um Privatjets. Nach den Berechnungen der Organisation fallen die mit Investitionen verbundenen Emissionen noch erheblich stärker ins Gewicht.
Oxfam leitet daraus eine klare politische Forderung ab: Wer durch Vermögen, Investitionen und besonders emissionsintensiven Konsum überdurchschnittlich zur Klimabelastung beiträgt, soll auch finanziell stärker an deren Bewältigung beteiligt werden.
Diese Forderung ist eine politische Position der Entwicklungsorganisation. Über die konkrete Ausgestaltung entsprechender Steuern und deren wirtschaftliche Auswirkungen wird politisch entschieden und gestritten.
Kurz vor der Weltklimakonferenz erhält die Diskussion zusätzliche Bedeutung. Dort wird erneut die Frage eine Rolle spielen, wie Klimaschutz und Anpassungsmaßnahmen insbesondere in wirtschaftlich schwächeren Staaten finanziert werden sollen.
Historischer Hintergrund
Die internationale Klimapolitik beschäftigt sich seit Jahren mit der Frage, wie die Kosten von Klimaschutz und Klimafolgen verteilt werden sollen.
Ein wichtiger Streitpunkt ist die finanzielle Unterstützung wirtschaftlich benachteiligter Staaten.
Oxfam rückt mit seinem aktuellen Bericht zusätzlich die unterschiedliche Höhe der Emissionen verschiedener Vermögensgruppen in den Mittelpunkt.
Die Organisation fordert, hohe Vermögen und besonders emissionsintensiven Luxuskonsum stärker zur Finanzierung der Klimapolitik heranzuziehen.
Was sind Investitionsemissionen?
Oxfam betrachtet neben dem persönlichen Konsum auch Treibhausgasemissionen, die mit den Investitionen von Milliardären verbunden sind.
Für den Bericht wurden die Investitionen von 1000 Milliardären untersucht.
71 Prozent davon entfielen laut Oxfam auf besonders klimaschädliche Sektoren wie Öl, Gas oder Chemie.
Die damit verbundenen Emissionen beziffert die Organisation auf 486 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente.
Was fordert Oxfam?
Oxfam fordert eine stärkere Besteuerung hoher Vermögen und von Privatjets.
Zusätzlich sollen nach Ansicht der Organisation Übergewinne insbesondere fossiler Unternehmen stärker besteuert werden.
Mit den Einnahmen sollen diejenigen stärker an der Bewältigung der Klimakrise beteiligt werden, denen Oxfam einen besonders hohen Beitrag zu den Emissionen zurechnet.
Zudem fordert die Organisation mehr Unterstützung für wirtschaftlich benachteiligte Länder und ärmere Menschen.
Was bedeutet CO2-Äquivalent?
Nicht alle Treibhausgase wirken gleich stark auf das Klima.
Mit CO2-Äquivalenten können die Auswirkungen unterschiedlicher Treibhausgase in einer gemeinsamen Einheit dargestellt und miteinander verglichen werden.
Oxfam verwendet diese Größe unter anderem zur Berechnung der Emissionen, die mit den untersuchten Investitionen verbunden sind.
Zukunftsprognose
Die Veröffentlichung des Berichts erfolgt knapp zwei Wochen vor der nächsten UN-Klimakonferenz.
Diese beginnt am 9. November im türkischen Antalya.
Dort dürfte erneut über die Finanzierung von Klimaschutz und Klimaanpassung in wirtschaftlich schwächeren Ländern diskutiert werden.
Oxfam will mit seinem Bericht erreichen, dass dabei auch die Vermögens- und Emissionsverteilung stärker berücksichtigt wird.
Ob Forderungen wie höhere Steuern auf große Vermögen oder Privatjets politisch aufgegriffen werden, bleibt offen.
OZD-Extra - Privatjets in Zahlen
16 Millionen Tonnen CO2 verursachten Privatjets 2025 weltweit laut Oxfam.
3,7 Tonnen CO2 entfallen dem Bericht zufolge durchschnittlich auf einen einzelnen Privatjet-Flug.
Mehr als 55.000 Privatjets starteten 2025 an deutschen Flughäfen.
Über 182.000 Tonnen CO2 verursachten diese Flüge laut Oxfam zusammen.
486 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente rechnet Oxfam den untersuchten Investitionen von 1000 Milliardären zu.
71 Prozent ihrer untersuchten Investitionen entfielen nach Angaben der Organisation auf besonders klimaschädliche Sektoren.
Gewinnspiel
Wie viele Privatjets starteten laut Oxfam 2025 an deutschen Flughäfen?
A: Mehr als 15.000
B: Mehr als 35.000
C: Mehr als 55.000
D: Mehr als 100.000
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Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.