Fakten im Überblick
In den USA haben bei den Midterms mehr als 47,9 Millionen Wähler bereits vorzeitig gewählt.
Sowohl Texas als auch North Carolina und Kansas meldeten Rekordzahlen bei der Frühwahl.
Vor allem Demokraten nutzten die Möglichkeit der frühen Stimmabgabe stärker als Republikaner.
In den Vereinigten Staaten ist die Zahl der vorzeitigen Stimmen für die Midterms auf einen neuen Rekordwert gestiegen. Gut 47,9 Millionen Menschen haben laut der Universität Florida bereits ihr Votum abgegeben und damit die bisherige Bestmarke deutlich übertroffen. Bei den alle zwei Jahre stattfindenden Kongresswahlen, den sogenannten Midterms, entscheidet sich am Dienstag, wie die neue Zusammensetzung des Repräsentantenhauses und des Senats aussehen wird. Von den insgesamt 435 Sitzen im Repräsentantenhaus werden alle neu gewählt, im Senat stehen 35 von 100 Mandaten zur Abstimmung. Derzeit dominieren die Republikaner in beiden Parlamentskammern, doch Umfragen deuten auf einen möglichen Machtwechsel zugunsten der Demokraten hin.
Besonders hoch ist die Wahlbeteiligung bereits im Vorfeld in den sogenannten Swing States wie Texas. Offiziellen Angaben zufolge nutzten in Texas bis Mittwoch schon über sechs Millionen Bürger die Möglichkeit, früh abzustimmen. Dabei lag die Zahl der Wähler, die persönlich zu den Urnen gingen, rund 50 Prozent über dem Wert von 2022. Auch andere Bundesstaaten verzeichneten einen starken Anstieg: In North Carolina lag der Zuwachs im Vergleich zu 2022 bei 37 Prozent, in South Carolina und Kansas sprechen die Behörden von einem deutlichen Trend zu mehr Frühwählern.
Daten aus den Bundesstaaten, die die Parteizugehörigkeit ihrer Wähler erfassen, zeigen einen Vorsprung der Demokraten bei den vorzeitig abgegebenen Stimmen. Laut Erhebung der Universität Florida machten Demokraten 44 Prozent der Frühwähler aus, Republikaner 31 Prozent und 25 Prozent entfielen auf andere politische Richtungen. Diese Zahlen könnten die Chancen der oppositionellen Demokraten erhöhen. Wenige Tage vor dem Wahltag gab es auch Unruhe um US-Präsident Donald Trump, der zunächst zwei Wahlkampfauftritte in Kansas und Iowa absagte, diese dann aber kurzfristig wieder in seinen Terminkalender aufnahm. Nachdem Gerüchte um seinen Gesundheitszustand die Runde machten, stellte Trump nach seiner Rückkehr klar: "Ich fühle mich großartig." Meinungsforscher gehen davon aus, dass die Republikaner ihre bisherige Mehrheit im Repräsentantenhaus und eventuell auch im Senat verlieren könnten, mit einem deutlichen Sieg der Demokraten wird gerechnet.
OZD/AFP
OZD-Kommentar – Mehr Frühwähler, verschärfter Wettbewerb
Die Rekordbeteiligung bei der vorzeitigen Stimmabgabe spiegelt die tief gespaltene und hochpolitisierte Atmosphäre in den USA wider. Die Sorge um politische Stabilität und die teils erbittert geführten Debatten zu Wahlrecht und Teilhabe motivieren weite Teile der Bevölkerung, ihre Stimme schon vor dem Wahltag abzugeben. Insbesondere von den Demokraten genutzte Frühwahlmöglichkeiten deuten auf einen Wandel in politischen Gewohnheiten und Strategien hin. Im Zentrum steht dabei auch die Frage, inwiefern frühe Wahlbeteiligung tatsächlich Rückschlüsse auf die endgültigen Mehrheitsverhältnisse zulässt. Die immer stärker wahrnehmbaren Verschiebungen zwischen den beiden großen Parteien könnten richtungsweisend für die amerikanische Demokratie werden. Es ist zu erwarten, dass die Bedeutung der Frühwahl auch künftig weiter zunehmen wird und Parteien ihre Mobilisierung noch früher auf den Wahlprozess ausrichten.
Historischer Hintergrund
Die Midterms sind US-weit etablierte Zwischenwahlen, die stets in der Mitte der regulären Präsidentschafts-Amtszeit stattfinden. Seit Jahrzehnten dienen sie dazu, die Zusammensetzung beider Parlamentskammern neu zu bestimmen und gelten traditionell auch als Stimmungstest für die amtierende Regierung. In vielen US-Bundesstaaten wurde die Möglichkeit der vorzeitigen Stimmabgabe in den vergangenen Jahren massiv ausgeweitet – häufig als Reaktion auf Debatten um Wahlrecht und Zugänglichkeit. Die institutionelle Bedeutung der Midterms ist dabei kontinuierlich zentral geblieben. In Staaten wie Texas, North Carolina und Kansas wird die Wahlbeteiligung als Gradmesser für politische Trends betrachtet.
Zukunftsprognose
Sollte sich der Trend zu mehr Frühwählern fortsetzen, könnten Parteien und Behörden in Zukunft verstärkt auf digitale und persönliche Frühwahlmöglichkeiten setzen. Politisch ist ein deutlicher Machtwechsel in beiden Kammern des US-Kongresses denkbar, falls die Demokraten ihren Frühwahlvorsprung in Stimmen umsetzen können. International wird das Ergebnis aufmerksam beobachtet werden, da ein Umschwung im Kongress die Zusammenarbeit mit anderen Staaten wie auch die Innenpolitik der USA spürbar beeinflussen könnte. Prognostisch wird der Ausbau von Wahlmöglichkeiten weiter politisch umkämpft bleiben.
Erklärungen
Was sind die Midterms?
Die Midterms, offiziell als Halbzeitwahlen bezeichnet, finden alle zwei Jahre zur Mitte einer Präsidentschaft statt. Dabei werden alle Sitze im Repräsentantenhaus und ein Teil der Senatssitze gewählt.
Was bedeutet frühzeitige Stimmabgabe?
Unter frühzeitiger Stimmabgabe versteht man die Möglichkeit, bereits vor dem eigentlich angesetzten Wahltag per Briefwahl oder persönlich zu wählen. Damit soll einer möglichst hohen Wahlbeteiligung geholfen werden.
OZD-Extras
Der Anteil der Frühwähler unter Demokraten ist mit 44 Prozent deutlich höher als bei den Republikanern mit 31 Prozent, was strategisch für die Demokraten genutzt wird.
Starke Wahlbeteiligung in Swing States wie Texas kann das endgültige Ergebnis entscheidend beeinflussen.
Eine kurzfristige Kursreaktion an US-Börsen ist denkbar, sollte sich ein überraschend klarer Machtwechsel abzeichnen, das bleibt aber Prognose und liegt noch außerhalb belastbarer Daten.
Gewinnspiel
Wie viele Senatoren werden bei den US-Midterms neu gewählt?
A) 35 Senatoren
B) 50 Senatoren
C) 100 Senatoren
D) 25 Senatoren
Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.