Israels Premier Netanjahu spricht von einem „Missgeschick“: Am Montag, 25. August, wurden bei einem Angriff der israelischen Armee auf das Nasser-Krankenhaus im Süden des Gazastreifens zunächst vier palästinensische Medienschaffende getötet: Hussam al-Masri, freier Fotograf für Reuters, Mariam Abu Daqqa, freie Journalistin für The Independent und Associated Press, Moaz Abu Taha, Korrespondent für NBC, sowie Mohammed Salama, Pressefotograf für Al-Dschasira (Al Jazeera).
Am Abend des gleichen Tages erlag zudem der Journalist Ahmed Abu Aziz, der für lokale palästinensische Medien sowie für den tunesischen Sender Diwan FM arbeitete, den Verletzungen, die er bei dem Angriff auf das Krankenhaus erlitten hatte. Bereits am Samstag, 23. August, war Chalid al-Madhun von Palestine TV bei Dreharbeiten zu Lebensmittelverteilungen von einem israelischen Panzer beschossen und getötet worden. Reporter ohne Grenzen (RSF) verurteilt die fortgesetzten Tötungen von Journalistinnen und Reportern durch die israelische Armee in Gaza auf das Schärfste.
„Sechs getötete Medienschaffende in zwei Tagen: Was muss noch passieren, damit die Bundesregierung sich endlich klar und deutlich von der Kriegsführung der israelischen Regierung distanziert? Mehr als 200 getötete Medienschaffende in Gaza seit Oktober 2023 sprechen eine deutliche Sprache: das Völkerrecht wird systematisch verletzt“, sagt RSF-Geschäftsführerin Anja Osterhaus. „Erst vor zwei Wochen haben wir die Tötung mehrerer Journalisten durch die israelische Armee betrauert. Wir fordern die israelischen Streitkräfte dringend auf, klar zu benennen, wie es zu diesem tödlichen Angriff kommen konnte und wie sie sicherstellen will, dass nicht noch mehr Medienschaffende getötet werden.“
Angriff per Suiziddrohne und mutmaßlichem „double tap“
Die Medienschaffenden wurden am Montag bei zwei aufeinanderfolgenden Angriffen im Umfeld des Al-Nasser-Krankenhauses im südlichen Gazastreifen getötet. Viele Journalistinnen und Journalisten leben in der Nähe des Krankenhauses in Zelten, um von dort über Verletzte und Tote berichten zu können. Der erste Angriff tötete den Reuters-Freelancer Hussam al-Masri. Nach RSF-Informationen erfolgte der Angriff mit einer sogenannten Suiziddrohne, die mit Kamera und Sprengsatz ausgestattet war.
Etwa acht Minuten später tötete ein zweiter Angriff drei weitere Journalisten. Sie waren laut Informationen von RSF zum Ort des Geschehens gekommen, um über die Rettungsmaßnahmen zu berichten. Solche „double tap“ genannten Angriffe verstoßen gegen die Genfer Konvention und dürften als Kriegsverbrechen gelten. Neben dem NBC-Korrespondenten Moaz Abu Taha und dem Al-Dschasira-Fotografen Mohammed Salama starb auch Mariam Abu Daqqa, eine freiberufliche Journalistin, die für mehrere Medienunternehmen wie Independent Arabia und Associated Press arbeitete und im März 2024 einem Drohnenangriff der israelischen Armee entkommen war. Der Angriff, der live von Al Ghad TV gefilmt wurde, verletzte zudem den Journalisten Dschamal Badah von Palestine TV und den freiberuflichen Journalisten Hatem Chalid, der ebenfalls für Reuters berichtete.
Die israelische Armee erklärte später auf X, sie habe eine Untersuchung eingeleitet. Sie betonte, dass „die israelischen Streitkräfte jeden Schaden bedauern, der unbeteiligten Zivilisten zugefügt wurde, und Journalisten als solche nicht ins Visier nehmen.“ Der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu sprach von einem „Missgeschick“.
Auf der Rangliste der Pressefreiheit stehen die Palästinensischen Gebiete auf Rang 163, Israel auf Platz 112 von 180.
Reporter ohne Grenzen e. V.
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