Die deutschen Basketballer bleiben auch beim zweiten Auftritt der Europameisterschaft souverän auf Kurs. Trotz einer unruhigen Nacht mit Feueralarm im Hotel und der erneuten Abwesenheit von Bundestrainer Àlex Mumbrú setzte sich der Weltmeister in Tampere klar mit 105:83 gegen Schweden durch. Schon zum Auftakt hatte es ein deutliches 106:76 gegen Montenegro gegeben.
Assistenzcoach Alan Ibrahimagic vertrat den erkrankten Mumbrú erneut an der Seitenlinie und wird dies auch am Samstag gegen Litauen tun. Der Spanier liegt mit einem akuten Abdomen weiterhin im Krankenhaus und könnte erst zur Finalrunde zurückkehren. „Es war ein Weckruf, aber nicht alle haben ihn mitbekommen. Zum Glück war es nicht so spät“, sagte Ibrahimagic bei MagentaSport zum Feueralarm.
Sportlich zeigte sich das deutsche Team von den Widrigkeiten unbeeindruckt. Dennis Schröder führte als Kapitän Regie und kam auf 23 Punkte, Franz Wagner glänzte mit 21 Zählern. Isaac Bonga, nach Verletzung im Auftaktspiel noch angeschlagen, stand überraschend in der Starting Five und überzeugte. Daniel Theis harmonierte wie gewohnt stark mit Schröder. Mit Dreiern von Maodo Lo und Justus Hollatz baute Deutschland früh einen komfortablen Vorsprung auf.
Die Schweden, ohne ihren erkrankten NBA-Profi Pelle Larsson, konnten dem Favoriten kaum Paroli bieten. Lediglich Melwin Pantzar bereitete der deutschen Abwehr einige Probleme und erzielte 18 Punkte. Zur Pause stand die deutsche Auswahl bereits bei 59 Zählern – ein klares Zeichen für die offensive Dominanz.
Mit zwei Siegen im Rücken geht es nun ins vermeintlich schwerste Gruppenspiel gegen Litauen, ehe Großbritannien und Gastgeber Finnland warten. Das Ziel ist klar: Der Weltmeister will ohne Umwege ins Achtelfinale einziehen.
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OZD-Kommentar
Dieser Sieg war eine Machtdemonstration – und zugleich ein Fingerzeig an die Konkurrenz. Trotz chaotischer Begleitumstände bleibt das DBB-Team stabil, als wäre nichts passiert. Doch die Schwächen in der Defensive dürfen nicht übersehen werden: Pantzar bekam zu viele Räume, und gegen Topteams wie Litauen oder später Spanien wird das gnadenlos bestraft. Auffällig ist auch, wie abhängig die Mannschaft von Schröder bleibt – er ist Taktgeber und Vollstrecker in Personalunion. Ohne ihn wäre die Leichtigkeit kaum denkbar. Die gute Nachricht: Die Tiefe des Kaders mit Wagner, Lo und Bonga funktioniert, selbst wenn Voigtmann oder andere ausfallen. Die schlechte: Spätestens in der K.o.-Phase müssen alle Rollen perfekt greifen, sonst wird der Traum von einer erneuten Medaille jäh beendet.
Lesermeinungen
„Super Start ins Turnier, man merkt: Das Team hat die Mentalität eines Weltmeisters.“ Eduart Holtmann, Berlin
„Ohne Schröder würde das Ganze nicht so leicht aussehen. Hoffentlich bleibt er fit.“ Günter Hauser, Berlin
„Litauen wird der echte Gradmesser – erst danach wissen wir, wo die Mannschaft steht.“ René Amt, Bielefeld
OZD-Analyse
Fakten
Deutschland besiegt Schweden mit 105:83.
Trainer Mumbrú fehlt krankheitsbedingt, wird durch Ibrahimagic vertreten.
Feueralarm im Hotel störte die Nacht, beeinflusste die Leistung aber nicht.
Schröder (23 Punkte) und Wagner (21) waren die besten Werfer.
Bewertung
a) Sportlich
– Offensiv stark, mit breiter Verteilung der Punkte.
– Defensive teilweise nachlässig, insbesondere gegen Pantzar.
– Schröder bleibt der zentrale Schlüsselspieler.
b) Psychologisch
– Feueralarm und Trainer-Ausfall zeigten, wie stabil das Team mit Rückschlägen umgeht.
– Die Mannschaft wirkt gefestigt, kleine Störungen bringen sie nicht aus dem Konzept.
c) Perspektive
– Litauen wird die erste echte Prüfung der EM.
– Für die K.o.-Phase braucht es ein stabileres Defensivkonzept.
– Die Rolle von Schröder als Fixpunkt bleibt unverzichtbar – mit allen Risiken.
Ausblick
– Die Vorrunde dürfte ohne Probleme überstanden werden.
– Spätestens in Riga bei der Finalrunde entscheidet sich, ob das Team mehr ist als ein Weltmeister im Selbstlauf – oder ob es erneut Geschichte schreiben kann.
OZD-Erklärungen
Wer ist Àlex Mumbrú?
Àlex Mumbrú ist ein spanischer Basketballtrainer und ehemaliger Profi. Er übernahm 2025 das Amt des Bundestrainers der deutschen Nationalmannschaft, liegt aktuell aber krankheitsbedingt im Krankenhaus.
Wer ist Dennis Schröder?
Dennis Schröder ist der Kapitän der deutschen Basketball-Nationalmannschaft. Der Point Guard spielt in der NBA und war einer der Schlüsselspieler beim WM-Triumph 2023.
Was ist der Deutsche Basketball Bund (DBB)?
Der Deutsche Basketball Bund ist der Dachverband für Basketball in Deutschland. Er organisiert den Spielbetrieb, stellt die Nationalmannschaften auf und vertritt den Sport international.
Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.