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Wut auf der Straße und die Warnung von Oben - Irans Proteste werden blutiger

Die Proteste gegen Inflation und Armut im Iran fordern weitere Todesopfer. Während Ayatollah Chamenei Verständnis zeigt, warnt er zugleich scharf vor „Aufrührern“.

Im Iran halten die Proteste gegen die dramatisch gestiegenen Lebenshaltungskosten und die anhaltende Wirtschaftskrise an. Nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen und iranischen Medien kam es auch am Wochenende in mehreren Landesteilen zu Demonstrationen, die teils in Gewalt umschlugen. Seit Beginn der Proteste vor einer Woche wurden demnach mindestens zwölf Menschen getötet, darunter auch Angehörige der Sicherheitskräfte.

Besonders betroffen waren die Hauptstadt Teheran sowie westliche Regionen des Landes. In der Nacht zum Sonntag gingen Demonstrierende unter anderem in Teheran, Schiras und im Westiran auf die Straße. Sie riefen regierungskritische Parolen, darunter auch „Tod dem Diktator“. Die staatliche Nachrichtenagentur Fars berichtete von kleineren Gruppen junger Menschen, die sich vor allem in Wohnvierteln versammelten. Tagsüber blieb es in Teheran vergleichsweise ruhig, Geschäfte waren geöffnet, während Sicherheitskräfte zentrale Orte kontrollierten.

Im Westen des Landes eskalierte die Lage hingegen stärker. In der Region Malekschahi kam es laut iranischen Medien zu Zusammenstößen, bei denen Demonstrierende versuchten, eine Polizeistation zu stürmen. Dabei wurden nach offiziellen Angaben mehrere Menschen getötet. Menschenrechtsorganisationen wie Iran Human Rights und Hengaw berichten, dass Sicherheitskräfte das Feuer auf Demonstranten eröffnet hätten, wobei vor allem Angehörige der kurdischen Minderheit unter den Opfern seien.

Das geistliche Oberhaupt des Iran, Ayatollah Ali Chamenei, äußerte sich erstmals öffentlich zu den Unruhen. Er bezeichnete die wirtschaftlichen Forderungen vieler Demonstrierender als berechtigt und rief die Behörden zum Dialog auf. Gleichzeitig richtete er eine deutliche Warnung an sogenannte „Aufrührer“, die die Lage ausnutzen würden. Diese müssten „in die Schranken verwiesen werden“, sagte Chamenei.

Die aktuelle Protestwelle bleibt bislang hinter den landesweiten Demonstrationen von 2022 zurück, die nach dem Tod von Mahsa Amini in Polizeigewahrsam ausgebrochen waren. Damals kamen hunderte Menschen ums Leben. Dennoch zeigen die jüngsten Ereignisse erneut die tiefe soziale und wirtschaftliche Unzufriedenheit im Land – und die Bereitschaft des Staates, mit Härte zu reagieren. OZD


OZD-Kommentar – Ein gefährliches Spiel mit der Verzweiflung

Irans Führung steht vor einem bekannten, aber ungelösten Problem: Die wirtschaftliche Not frisst sich tief in den Alltag der Menschen, während politische Öffnung ausbleibt. Chameneis Worte klingen versöhnlich, doch die Realität auf den Straßen erzählt eine andere Geschichte. Wer berechtigte Wut mit Gewalt beantwortet, riskiert eine Eskalation, die sich nicht mehr kontrollieren lässt. Der Iran bewegt sich erneut auf einem schmalen Grat zwischen Reformdruck und Repression – mit offenem Ausgang.



Mini-Infobox

Beginn der Proteste: vor rund einer Woche

Tote bislang: mindestens 12

Zentren der Unruhen: Teheran, Westiran, Schiras

Hauptgrund: Inflation, Wirtschaftskrise

OZD-Analyse

Ursachen der Proteste
a) Hohe Inflation und sinkende Kaufkraft
b) Langjährige Wirtschaftssanktionen
c) Fehlende politische Perspektiven

Reaktion des Staates
a) Massive Präsenz von Sicherheitskräften
b) Tote und Verletzte bei Zusammenstößen
c) Warnungen der politischen und religiösen Führung

Ausblick
a) Weitere Proteste wahrscheinlich
b) Gefahr regionaler Eskalationen
c) Internationale Kritik dürfte zunehmen



Erklärungen

Wer ist Ayatollah Ali Chamenei?
Ayatollah Ali Chamenei ist seit 1989 das geistliche Oberhaupt des Iran und verfügt über weitreichende politische und religiöse Machtbefugnisse.

Was ist die Basidsch-Miliz?
Die Basidsch ist eine paramilitärische Organisation im Iran, die den Revolutionsgarden untersteht und häufig zur Niederschlagung von Protesten eingesetzt wird.

Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.

OZD-Extras

Viele der aktuellen Proteste werden von jungen Menschen getragen – einer Generation, die wirtschaftlich kaum Perspektiven sieht.