Nach dem aufsehenerregenden Einbruch in einen Tresorraum einer Sparkasse in Gelsenkirchen bereitet die Polizei die betroffenen Kunden auf eine lange Phase der Ermittlungen vor. Nach aktuellem Stand befänden sich in dem Tresorraum noch mehrere hunderttausend Gegenstände, teilte die Polizei am Dienstag mit. Diese müssten einzeln auf Spuren untersucht, katalogisiert, fotografisch dokumentiert und anschließend sicher verwahrt werden.
Kriminaltechniker aus ganz Nordrhein-Westfalen seien im Einsatz, unterstützt von Mitarbeitenden der Sparkasse. Die Arbeit werde voraussichtlich mehrere Monate dauern. Jeder einzelne Gegenstand könne jedoch einen entscheidenden Hinweis auf die Täter liefern. Die Ermittler baten die mehr als 3000 geschädigten Kundinnen und Kunden um Geduld und Verständnis.
Nach bisherigen Erkenntnissen wurden nahezu alle 3256 Schließfächer gewaltsam geöffnet und deren Inhalte wahllos auf dem Boden des Tresorraums verteilt. Die Auswertung der vorhandenen Daten habe ergeben, dass sich die Täter mindestens vier Stunden in dem Tresorraum aufhielten. Ob sie zuvor bereits im Gebäude waren und wie lange der Abtransport der Beute dauerte, ist weiterhin Gegenstand der Ermittlungen.
Inzwischen steht fest, dass eine eigentlich nicht zu öffnende Fluchttür vom Parkhaus aus manipuliert wurde. Dadurch konnten die Täter offenbar ungehindert in das Sparkassengebäude gelangen. Der Tresorraum gilt weiterhin als Tatort und darf nicht betreten werden. In Zwölfstundenschichten sind täglich rund 200 Einsatzkräfte vor Ort.
Erschwert wird die Arbeit zusätzlich durch chemische Flüssigkeiten, mit denen der Tresorraum kontaminiert wurde. Alle betroffenen Kunden sollen einzeln von der Polizei vernommen werden, um Angaben zu den Inhalten ihrer Schließfächer zu machen. Nähere Informationen zum Ablauf sollen zeitnah folgen. OZD
OZD-Kommentar
Dieser Einbruch ist mehr als ein gewöhnliches Verbrechen – er ist ein
Schlag ins Herz des Sicherheitsversprechens von Banken. Wenn tausende
Schließfächer in einem Hochsicherheitstresor nahezu vollständig
ausgeräumt werden können, wirft das grundlegende Fragen auf: zur
baulichen Sicherheit, zu internen Kontrollen und zur Verantwortung
gegenüber den Kunden. Die monatelange Spurensicherung ist notwendig,
doch für viele Betroffene bleibt ein bitteres Gefühl von Ohnmacht.
Vertrauen, einmal erschüttert, lässt sich nicht einfach katalogisieren
wie ein Beweisstück.
Historischer Hintergrund
Großangelegte Schließfach-Einbrüche sind in Deutschland äußerst selten,
da Banktresore als besonders gesichert gelten. Vergleichbare Fälle mit
tausenden betroffenen Kunden gab es in Nordrhein-Westfalen bislang kaum.
Der aktuelle Fall reiht sich damit in die Kategorie außergewöhnlicher
Kriminaldelikte ein, bei denen nicht nur der materielle Schaden, sondern
auch das Vertrauen in Finanzinstitute massiv betroffen ist.
Zukunftsprognose
Der Fall dürfte langfristige Folgen haben. Banken könnten gezwungen
sein, ihre Sicherheitskonzepte für Tresorräume grundlegend zu
überarbeiten. Zudem ist mit verschärften Auflagen und höheren
Versicherungsprämien zu rechnen. Für Kunden könnte dies mittelfristig
höhere Kosten oder strengere Zugangsregelungen bedeuten.

Erklärung: Was ist ein Bankschließfach?
Ein Bankschließfach ist ein besonders gesicherter Aufbewahrungsort in
einem Tresorraum, den Kunden zur Lagerung von Wertsachen, Dokumenten
oder Bargeld nutzen. Der Inhalt ist in der Regel nicht versichert und
der Bank nicht bekannt.
Lernbox
– Fast 3256 Schließfächer gewaltsam geöffnet
– Hunderttausende Gegenstände noch nicht ausgewertet
– Täglich rund 200 Einsatzkräfte im Einsatz
– Ermittlungen können mehrere Monate dauern

Quizfrage
Wie viele Schließfächer wurden laut Polizei bei dem Einbruch in Gelsenkirchen nahezu vollständig geöffnet?
Wusstest du? Inhalte von Bankschließfächern sind meist nicht automatisch versichert – Kunden müssen dafür selbst Vorsorge treffen.
Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.