Nach sechs Jahren an der Spitze braucht die katholische Kirche in Deutschland einen neuen Vorsitzenden: Der Limburger Bischof Georg Bätzing wird bei der Frühjahrsvollversammlung der Deutsche Bischofskonferenz ab dem 23. Februar nicht mehr kandidieren. Dies geht aus einem am Montag in Bonn veröffentlichten Schreiben Bätzings an seine Amtskollegen hervor.
„Jetzt ist es Zeit, diese für die Arbeit der Bischofskonferenz wichtige Aufgabe in andere Hände zu legen“, erklärte Bätzing. Gründe nannte er nicht, verwies jedoch auf eine Entscheidung nach „reiflicher Überlegung“. Bätzing hatte den Vorsitz im März 2020 von Kardinal Reinhard Marx übernommen und prägte die Kirche in Deutschland in einer Phase tiefgreifender Umbrüche.
Die Bischofskonferenz vereint die Vertreter von 27 Bistümern und Erzbistümern mit insgesamt 59 Mitgliedern. In seine Amtszeit fielen zentrale Konflikte um Reformen, den Umgang mit sexualisierter Gewalt, den massiven Mitgliederschwund sowie der umstrittene synodale Weg. Besonders die Spannungen mit dem Vatikan belasteten das Verhältnis: Der inzwischen verstorbene Papst Franziskus kritisierte die deutschen Reformpläne mehrfach scharf, Bätzing verteidigte sie gegen den Vorwurf einer Kirchenspaltung.
Zugleich positionierte sich der als liberal geltende Bischof wiederholt politisch deutlich, etwa als scharfer Kritiker der Alternative für Deutschland, die er öffentlich als antidemokratisch bezeichnete. Innerkirchlich verschärften sich während seiner Amtszeit die Fronten zwischen reformorientierten und konservativen Bischöfen – etwa um den Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki.
Wer Bätzing nachfolgt, ist offen. Beobachter rechnen mit einer kontroversen Debatte, da mit der Personalentscheidung auch die künftige Linie der deutschen Kirche verknüpft ist. Bätzing selbst wünschte seinen Mitbrüdern „Mut zum offenen Wort“ und „Bereitschaft, aufeinander zuzugehen“. OZD

OZD-Kommentar – Abschied mit Sprengkraft
Der Abgang Bätzings ist mehr als ein Personalwechsel. Er markiert einen
Wendepunkt für die katholische Kirche in Deutschland. Sein Kurs stand
für Reformbereitschaft, Dialog und politische Klarheit – und spaltete
zugleich das Episkopat. Die Nachfolge wird zur Richtungswahl: Öffnung
oder Rückzug, Konflikt oder Annäherung an Rom. Klar ist schon jetzt: Die
Zeit des Abwartens ist vorbei, die Kirche muss Farbe bekennen.
Historischer Hintergrund
Die Deutsche Bischofskonferenz wurde 1848 gegründet und ist seit
Jahrzehnten das zentrale Leitungsgremium der katholischen Kirche in
Deutschland. Immer wieder spiegelten sich in der Wahl ihres Vorsitzenden
kirchenpolitische Machtverschiebungen wider – zuletzt besonders
deutlich im Zuge des synodalen Wegs.
Zukunftsprognose
Mit dem Führungswechsel dürfte sich entscheiden, ob die deutsche Kirche
ihren reformorientierten Kurs fortsetzt oder stärker auf Ausgleich mit
dem Vatikan setzt. Die anstehenden Bischofswahlen könnten alte Konflikte
verschärfen – oder eine neue Phase der Konsolidierung einleiten. Aber es wird wohl keine oder nur kleine Änderungen geben.
Gewinnspiel
Quizfrage: Seit welchem Jahr war Georg Bätzing Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz?
A) 2016
B) 2018
C) 2020
D) 2022
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OZD-Analyse
Bedeutung des Rücktritts
– a) Ende einer reformorientierten Führungsphase
– b) Signal an Rom und innerkirchliche Lager
– c) Machtvakuum vor zentralen Entscheidungen
Innerkirchliche Konfliktlinien
– a) Synodaler Weg als Dauerstreitpunkt
– b) Verhältnis zum Vatikan
– c) Spaltung zwischen liberalen und konservativen Bischöfen
Politische Dimension
– a) Öffentliche Positionierungen Bätzings
– b) Rolle der Kirche im gesellschaftlichen Diskurs
– c) Vertrauensfrage angesichts von Missbrauchsskandalen
Lernbox
Die Deutsche Bischofskonferenz ist kein Parlament, sondern ein
Koordinationsgremium. Ihre Beschlüsse haben moralisches und politisches
Gewicht, sind aber kirchenrechtlich begrenzt.
Mini-Infobox
– Amtszeit Bätzing: 2020–2026
– Mitglieder der DBK: 59
– Bistümer/Erzbistümer: 27
– Zentrales Streitthema: synodaler Weg
OZD-Extra
Der letzte Vorsitzende, der die Kirche ähnlich stark polarisierte wie Bätzing, war Kardinal Karl Lehmann in den 1990er-Jahren.
Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.
