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Der Donbass als Opfergabe? Selenskyj erhebt schwere Vorwürfe gegen Trump

Paukenschlag aus Kiew: Präsident Selenskyj behauptet, nicht nur Russland, auch die USA verlangten für ein schnelles Kriegsende die Aufgabe des gesamten Donbass. Die Verhandlungen stehen vor einer historischen Zerreißprobe.

In den Gesprächen über eine Waffenruhe im Ukraine-Krieg hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj mit einer brisanten Aussage aufhorchen lassen. Nach seinen Angaben fordern nicht nur die Russen, sondern auch die Amerikaner von der Ukraine den vollständigen Rückzug aus der Donbass-Region. „Sowohl die Amerikaner als auch die Russen sagen: Wenn Ihr wollt, dass der Krieg morgen endet, dann geht aus dem Donbass raus“, sagte Selenskyj im Interview mit AFP.

Damit rückt der zentrale Streitpunkt der von den USA vermittelten Verhandlungen erneut in den Fokus: die Territorialfrage. Moskau beansprucht den gesamten Donbass für sich, obwohl die russische Armee nur Teile der Region militärisch kontrolliert. Kiew lehnt eine Abtretung strikt ab und fordert stattdessen ein Einfrieren des aktuellen Frontverlaufs.

Militärisch ist die Lage komplex. Die ukrainischen Streitkräfte kontrollieren weiterhin etwa ein Fünftel der Region Donezk, während die russischen Truppen nahezu die gesamte Region Luhansk besetzt haben. Beide Gebiete bilden zusammen den Donbass – das strategische und symbolische Herzstück des Konflikts.

Zugleich warb Selenskyj erneut für eine europäische Sicherheitsgarantie im Falle eines Waffenstillstands. „Natürlich möchten die Ukrainer, dass unsere Partner mit uns an der Frontlinie zusammenstehen“, sagte er, schränkte jedoch ein: „Natürlich niemand möchte an der ersten Linie stehen.“

Vor allem Emmanuel Macron und Keir Starmer treiben eine multinationale Truppe zur Absicherung einer möglichen Waffenruhe voran. Anfang Januar unterzeichneten sie mit Selenskyj in Paris eine entsprechende Absichtserklärung. Macron stellte jedoch klar, dass ein Einsatz „weit von der Kontaktlinie entfernt“ erfolgen solle. Selenskyj konterte nun, man würde das Kontingent „gerne näher an der Kontaktlinie sehen“.

Auch Deutschland signalisiert Bereitschaft zur Beteiligung. Bundeskanzler Friedrich Merz stellte erstmals die Entsendung deutscher Soldaten im Rahmen einer internationalen Mission in Aussicht – allerdings nicht direkt auf ukrainischem Boden, sondern in einem benachbarten Nato-Staat. „Deutschland wird sich weiter politisch, finanziell und eben auch militärisch einbringen“, sagte Merz. „Dazu kann zum Beispiel gehören, dass wir nach einem Waffenstillstand Kräfte für die Ukraine auf benachbartem Nato-Gebiet einmelden.“

Die Frage bleibt: Ist ein Frieden nur noch um den Preis erheblicher Gebietsverluste zu haben? OZD



OZD-Kommentar – Der bittere Preis des Friedens

Selenskyjs Aussage ist politischer Sprengstoff. Sollte Washington tatsächlich die vollständige Aufgabe des Donbass als Voraussetzung für ein schnelles Kriegsende sehen, wäre das eine tektonische Verschiebung in der westlichen Strategie.

Ein Frieden, der auf territorialer Preisgabe basiert, würde zwar möglicherweise Blutvergießen beenden – doch er würde zugleich einen gefährlichen Präzedenzfall schaffen. Aggression wird belohnt, Grenzen werden verhandelbar.

Gleichzeitig ist die Realität brutal. Der Krieg ist festgefahren, die Ressourcen sind begrenzt, die Unterstützung des Westens nicht unendlich. Die ukrainische Führung steht vor einer historischen Entscheidung zwischen moralischem Anspruch und militärischer Machbarkeit.

Ob Selenskyj mit seiner Aussage Druck auf Washington ausüben will oder ob sich tatsächlich ein Kurswechsel abzeichnet, bleibt offen. Klar ist nur: Der Donbass ist längst mehr als ein geografisches Gebiet. Er ist zur Schicksalsfrage der europäischen Sicherheitsordnung geworden.

Historischer Hintergrund

Der Donbass-Konflikt begann bereits 2014 nach der Annexion der Krim durch Russland. In den Regionen Donezk und Luhansk erklärten prorussische Separatisten ihre Unabhängigkeit. Es folgten jahrelange Gefechte und gescheiterte Waffenruhe-Abkommen, bevor Russland 2022 den großangelegten Angriff auf die Ukraine startete. Seitdem ist der Donbass Hauptschauplatz erbitterter Kämpfe.

Zukunftsprognose

Sollten die USA tatsächlich auf eine umfassende territoriale Lösung drängen, könnte sich die Verhandlungsdynamik drastisch verändern. Möglich sind drei Szenarien: ein eingefrorener Konflikt, eine faktische Teilung mit internationaler Sicherheitsgarantie oder ein Scheitern der Gespräche mit erneuter Eskalation. Die kommenden Wochen dürften entscheidend sein.



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Frage: Welche beiden Regionen bilden gemeinsam den Donbass?
A) Charkiw und Odessa
B) Donezk und Luhansk
C) Kiew und Dnipro
D) Mariupol und Cherson

Richtige Antwort: B) Donezk und Luhansk

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Mini-Infobox

Donbass umfasst die Regionen Donezk und Luhansk

Seit 2014 umkämpft

Russland kontrolliert fast ganz Luhansk

Zentraler Streitpunkt der Waffenruhe-Verhandlungen

OZD-Analyse

1. Strategische Interessen
a) Russland verfolgt Maximalforderungen
– Vollständige Kontrolle über den Donbass als politisches Ziel
b) USA als Vermittler
– Mögliches Interesse an schneller Deeskalation

2. Militärische Realität
a) Stellungskrieg mit hohen Verlusten
– Frontverlauf seit Monaten kaum verändert
b) Ressourcenbelastung
– Ukraine abhängig von westlicher Unterstützung

3. Europäische Dimension
a) Frankreich und Großbritannien treiben Sicherheitslösung
– Multinationale Truppe als Stabilisierungselement
b) Deutschland setzt auf indirekte Beteiligung
– Stationierung auf Nato-Gebiet statt in der Ukraine



Wer ist Wolodymyr Selenskyj?

Wolodymyr Selenskyj ist seit 2019 Präsident der Ukraine. Der frühere Schauspieler gewann die Wahl mit einem Anti-Korruptionsprogramm. Seit Beginn der russischen Großinvasion 2022 ist er international zum Symbol des ukrainischen Widerstands geworden und wirbt weltweit um militärische sowie finanzielle Unterstützung.

Was ist der Donbass?

Der Donbass ist eine industriell geprägte Region im Osten der Ukraine und besteht aus den Gebieten Donezk und Luhansk. Er besitzt hohe strategische und wirtschaftliche Bedeutung. Seit 2014 ist er Zentrum bewaffneter Auseinandersetzungen zwischen ukrainischen Truppen und prorussischen Kräften.

OZD-Extras

Der Begriff „Donbass“ leitet sich vom „Donezbecken“ ab – einer der größten Kohle- und Industrieregionen Osteuropas.

Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.