Am Sonntagmorgen erklärte die israelische Armee überraschend eine „taktische Pause“ ihres Militäreinsatzes in bestimmten Teilen des Gazastreifens – etwa in Al-Mawasi, Deir el-Balah und Teilen von Gaza-Stadt. Ziel sei es, sichere Routen für UN-Hilfskonvois mit Lebensmitteln und Medikamenten auszuweisen. Bereits am Vortag hatte Israel die Wiederaufnahme von Luftabwürfen humanitärer Güter angekündigt.
Die Maßnahmen wirken auf den ersten Blick wie ein humanitäres Entgegenkommen. Doch sie sind auch eine Reaktion auf wachsenden internationalen Druck: Über 100 Hilfsorganisationen hatten zuletzt eindringlich vor einem „massenhaften Verhungern“ in Gaza gewarnt. Die Lage im Palästinensergebiet ist katastrophal – die Versorgungslage zusammengebrochen, Krankheiten breiten sich aus, medizinische Hilfe ist kaum möglich.
Die Armee betont, dass die Pause nur für Regionen gilt, in denen keine aktuellen Kampfhandlungen stattfinden. Kritiker sehen darin ein Problem: Denn in den heftig umkämpften Gebieten – wo Hilfe oft am dringendsten wäre – bleibt der Zugang weiterhin kaum möglich.
Analyse
Die Ankündigung einer „taktischen Pause“ ist ein zweischneidiges Schwert. Einerseits ist jeder Schritt zur Verbesserung der humanitären Lage ein notwendiger. Andererseits zeigt die Einschränkung auf nicht aktive Kampfzonen, dass es sich eher um eine kontrollierte Maßnahme als um einen echten Waffenstillstand handelt.
Auch politisch ist der Schritt brisant: Israel steht international zunehmend unter Beobachtung – insbesondere was die Verantwortung für die katastrophale Versorgungslage im Gazastreifen angeht. Die „Pause“ dürfte daher auch ein Versuch sein, den politischen Druck zu entschärfen, ohne die militärische Kontrolle aus der Hand zu geben.
Ob die Maßnahme tatsächlich die Not lindert, wird sich in den kommenden Tagen zeigen – entscheidend ist, ob Hilfskonvois dauerhaft sicher und flächendeckend agieren können.
OZD
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Bild: AFP