Das Unwort des Jahres 2025 lautet „Sondervermögen“. Mit dieser Entscheidung hat die Jury der sprachkritischen Aktion in Marburg ein politisch hoch aufgeladenes Wort ins Zentrum der Kritik gerückt. Der Begriff verschleiere Tatsachen, unterminiere demokratische Debatten und wirke irreführend euphemistisch, erklärte die Jury am Dienstag zur Begründung.
Geprägt habe der Ausdruck im Jahr 2025 vor allem die politischen Auseinandersetzungen über Staatsverschuldung. Im allgemeinen Sprachgebrauch werde unter einem Sondervermögen eine abgetrennte, besonders gesicherte Vermögensmasse verstanden. Tatsächlich handele es sich jedoch um einen Begriff aus der Wirtschafts- und Haushaltssprache. Im staatlichen Kontext bezeichne ein Sondervermögen einen Nebenhaushalt, der für bestimmte Aufgaben eingerichtet werde – regelmäßig verbunden mit zusätzlicher Schuldenaufnahme.
Gerade diese Diskrepanz zwischen Alltagsverständnis und tatsächlicher Bedeutung mache den Begriff problematisch, so die Jury. Durch die Wortwahl werde der Eindruck erweckt, es handele sich um vorhandene Mittel, nicht um neue Kredite. Damit werde die öffentliche Diskussion über Umfang, Risiken und Legitimität staatlicher Verschuldung verzerrt.
Auf Platz zwei der Unwörterliste landete das Wort „Zustromungsbegrenzungsgesetz“. Die Jury kritisierte, dass der Begriff Migration als Bedrohung darstelle und auf eine lange Tradition entmenschlichender Wassermetaphern zurückgreife. Begriffe wie „Flüchtlingsflut“ oder „Asylantenwelle“ blendeten individuelle Schicksale aus und reduzierten Menschen auf abstrakte Massenbewegungen.
OZD
OZD-Kommentar
Dass „Sondervermögen“ zum Unwort des Jahres gekürt wurde, ist mehr als
eine sprachliche Fußnote – es ist eine politische Ohrfeige. Der Begriff
steht exemplarisch für eine Kommunikationsstrategie, die unbequeme
Wahrheiten weichzeichnet. Schulden heißen plötzlich Vermögen,
Belastungen werden zu Chancen umetikettiert. Wer Sprache so benutzt,
manipuliert nicht nur Begriffe, sondern auch das demokratische
Verständnis von Verantwortung. Politik lebt von Transparenz – und genau
die geht verloren, wenn Worte gezielt irreführen.
Historischer Hintergrund
Die Aktion „Unwort des Jahres“ wurde 1991 ins Leben gerufen, um auf
problematische Begriffe im öffentlichen Diskurs aufmerksam zu machen.
Ziel ist es, Sprachgebrauch zu kritisieren, der gegen Menschenwürde,
demokratische Prinzipien oder sachliche Klarheit verstößt. In der
Vergangenheit wurden unter anderem Begriffe wie „Lügenpresse“,
„Sozialtourismus“ oder „Klimahysterie“ ausgezeichnet. Häufig stehen
politische Machtverhältnisse und bewusste sprachliche Zuspitzungen im
Mittelpunkt der Juryentscheidungen.
Zukunftsprognose
Die Wahl von „Sondervermögen“ dürfte die Sensibilität für politische
Sprache weiter schärfen. Künftig ist zu erwarten, dass Begriffe aus
Haushalts- und Finanzpolitik stärker hinterfragt werden – sowohl medial
als auch gesellschaftlich. Gleichzeitig könnte der Streit um sprachliche
Deutungshoheit zunehmen, da politische Akteure weiterhin versuchen
werden, komplexe oder unpopuläre Maßnahmen rhetorisch abzumildern.

Erklärungen
Was ist das Unwort des Jahres?
Das Unwort des Jahres ist eine jährlich vergebene Auszeichnung für
Begriffe, die nach Ansicht einer unabhängigen Jury gegen Prinzipien der
Menschenwürde, Demokratie oder sachlichen Information verstoßen. Die
Wahl soll zur kritischen Reflexion des öffentlichen Sprachgebrauchs
anregen.
Was ist ein Sondervermögen?
Ein Sondervermögen ist im staatlichen Haushaltsrecht ein Nebenhaushalt,
der für einen bestimmten Zweck eingerichtet wird. Er steht formal
außerhalb des regulären Haushalts, wird jedoch meist durch Kredite
finanziert und erhöht damit die Staatsverschuldung.
Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.
Lernbox
– „Sondervermögen“ bedeutet nicht Geldüberschuss
– Der Begriff stammt aus dem Haushaltsrecht
– Sondervermögen erhöhen meist die Staatsverschuldung
– Sprache prägt politische Wahrnehmung

Quizfrage
Welcher Begriff wurde zum Unwort des Jahres 2025 gewählt?
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OZD-Extras
Richtige Antwort: „Sondervermögen“. Der Begriff setzte sich wegen seiner
verschleiernden Wirkung gegenüber alternativen Kandidaten durch.
Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.