Zum Inhalt springen
OZD.news - News und Nachrichten zum Nachschlagen
QR-Code zu www.online-zeitung-deutschland.de

Die Nato rückt zusammen: 15 Bundeswehrsoldaten auf dem Weg nach Grönland

Die Bundeswehr beteiligt sich an einer sensiblen Nato-Erkundungsmission in Grönland. Die Botschaft ist klar: Die Arktis bleibt kein machtfreier Raum – und Europas Bündnispartner rücken enger zusammen.

Die für eine gemeinsame Erkundungsmission mit Nato-Partnern nach Grönland entsandten Bundeswehrsoldaten sollen erst am Freitag auf der Arktis-Insel eintreffen. Wie das Verteidigungsministerium am Donnerstag mitteilte, fliegt das deutsche Kontingent zunächst nach Karup in Dänemark. Von dort aus soll der Weiterflug nach Grönland gemeinsam mit dem dänischen Erkundungsteam sowie weiteren Bündnispartnern erfolgen.

„Aus unserer Sicht ist der gemeinsame Flug ein starkes Zeichen unserer Geschlossenheit“, erklärte das Ministerium. Insgesamt sollen 13 Bundeswehrsoldaten an der Mission teilnehmen. Neben Deutschland beteiligen sich auch Frankreich, Schweden und Norwegen.

Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius betonte die sicherheitspolitische Dimension des Einsatzes. Russland und China nutzten die Arktis zunehmend militärisch und stellten damit die Freiheit der Verkehrs-, Kommunikations- und Handelswege infrage. „Die Nato wird dies nicht zulassen und auch weiterhin für die regelbasierte internationale Ordnung eintreten“, erklärte Pistorius. Entscheidend sei dabei eine enge Abstimmung innerhalb des Bündnisses, „insbesondere mit unseren US-Partnern“.

Nach Angaben des Ministeriums dient die Mission der Erkundung sicherheitspolitischer Handlungsoptionen angesichts wachsender russischer und chinesischer Aktivitäten in der Arktis. Die Initiative erfolge auf Einladung und unter Führung Dänemarks, zu dessen Königreich das autonome Grönland gehört.

Der Einsatz steht im unmittelbaren Zusammenhang mit den jüngsten Spannungen zwischen den USA und Dänemark. US-Präsident Donald Trump hatte wiederholt Ansprüche auf Grönland erhoben und dabei auch militärische Mittel nicht ausgeschlossen. Ein Krisentreffen zwischen den USA, Dänemark und Grönland in Washington war am Mittwoch ohne Ergebnis geblieben. Nach dänischen Angaben hält Trump weiterhin an seinen Übernahmeplänen fest.

Grönland gilt wegen seiner strategischen Lage und seiner Rohstoffe als geopolitischer Schlüsselraum. Die Entsendung der Bundeswehr soll daher nicht nur der militärischen Aufklärung dienen, sondern auch ein politisches Signal senden: Die Nato betrachtet die Arktis zunehmend als sicherheitspolitischen Brennpunkt.

OZD

OZD-Kommentar – Arktis wird zur Bewährungsprobe der Nato
Die Entsendung deutscher Soldaten nach Grönland ist mehr als eine technische Erkundung. Sie ist ein stilles, aber deutliches Signal: Europa lässt sich sicherheitspolitisch weder von Russland und China noch von erratischen Machtansprüchen aus Washington treiben. Die Arktis droht zum nächsten geopolitischen Pulverfass zu werden – und die Nato muss beweisen, dass sie auch intern geschlossen bleibt.



Mini-Infobox (Lernbox)
– 13 Bundeswehrsoldaten beteiligt
– Nato-Erkundungsmission unter Führung Dänemarks
– Beteiligung auch von Frankreich, Schweden und Norwegen
– Fokus: Sicherheit in der Arktis

OZD-Analyse

Strategische Bedeutung Grönlands
– Schlüsselregion für Arktis, Raketenabwehr und Handelsrouten
– Nähe zu Russland und zunehmendes chinesisches Interesse

Nato-Interessen
– a) Abschreckung gegenüber Moskau
– b) Kontrolle sicherheitsrelevanter See- und Luftwege
– c) Wahrung der Bündnissolidarität

Politische Sprengkraft
– Spannungen zwischen USA und europäischen Nato-Partnern
– Risiko einer Eskalation durch Alleingänge
– wachsende Militarisierung der Arktis



Historischer Hintergrund
Grönland gehört seit 1953 offiziell zum Königreich Dänemark und genießt weitgehende Autonomie. Bereits im Kalten Krieg spielte die Insel eine zentrale Rolle für die US-Raketenfrühwarnsysteme. Mit dem Klimawandel und neuen Schifffahrtsrouten rückt die Arktis erneut ins Zentrum globaler Machtpolitik.

Zukunftsprognose
Die Arktis wird sich in den kommenden Jahren zu einem dauerhaften Schwerpunkt der Nato entwickeln. Weitere militärische Präsenz, gemeinsame Manöver und politische Spannungen – auch innerhalb des Bündnisses – gelten als wahrscheinlich. Grönland dürfte dabei zu einem der sensibelsten geopolitischen Schauplätze Europas werden.



Gewinnspiel

Quizfrage
Warum gilt Grönland sicherheitspolitisch als Schlüsselregion für die Nato?


Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.