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Historische Zeiten in Caracas – Rodríguez setzt auf Neuanfang

Venezuelas Übergangspräsidentin Delcy Rodríguez entlässt Álex Saab als Industrieminister. Der Schritt kommt mitten im politischen Umbruch nach dem Sturz von Nicolás Maduro – und spiegelt interne wie externe Spannungen wider.

Venezuelas Delcy Rodríguez hat Álex Saab aus dem Kabinett entlassen und sein Ministerium dem Handelsminister Luis Antonio Villegas übertragen. Rodríguez dankte Saab für seine Arbeit, kündigte zugleich aber an, er werde künftig „neue Verantwortlichkeiten“ übernehmen. Saab war 2023 im Rahmen eines Gefangenenaustauschs aus US-Haft freigekommen und 2024 von Maduro zum Industrieminister ernannt worden.

Ausschlaggebend für seine Entfernung dürfte sein umstrittenes Image als enger Verbündeter des entmachteten Maduro und der Wunsch Rodríguez’ sein, das Kabinett nach und nach umzubauen und neu auszurichten. Rodríguez hat in den vergangenen Tagen bereits mehrere personelle Wechsel vorgenommen – etwa die Ernennung des Philosophen Miguel Pérez Pirela als neuen Kommunikationsminister und die Versetzung von Freddy Ñáñez ins Umweltministerium sowie den früheren Maduro-Vertrauten Aníbal Coronado als Verkehrsminister.

Saab war in Venezuela insbesondere für seine Rolle bei Lebensmittelimporten über das staatliche Programm CLAP bekannt und galt Maduro loyal verbunden; US-Behörden hatten ihn wegen Geldwäschevorwürfen angeklagt. Seine politische Karriere war geteilt – für manche ein Organisator lebenswichtiger Versorgung, für andere Symbol für Korruption und Nähe zur Macht. ozd


OZD-Kommentar – Symbolischer Schnitt im Machtgefüge
Die Entfernung Saabs ist kein bloßer Personalwechsel, sie ist ein politisches Signal. Rodríguez versucht, ihre Position zu stärken und zugleich Distanz zum alten Machtgefüge zu markieren – gerade in einer Zeit, in der die USA und andere internationale Akteure intensiv in Venezuelas Politik involviert sind. Doch ob diese Umbauten Reformwillen oder bloße Kosmetik sind, bleibt offen. In einem Land, das gerade aus einer tiefen politischen Krise hervorgeht, zählt jede symbolische Geste – vor allem gegen Personen, die lange als Maduros Schattenakteure galten.


Historischer Hintergrund – Venezuela nach Maduro
Infolge eines massiven außenpolitischen Eingriffs der USA Anfang Januar 2026 wurde Präsident Nicolás Maduro festgenommen und in die USA gebracht, wo er sich Strafverfahren gegen „Drogenterrorismus“ stellen soll. Laut der Verfassung wurde Rodríguez als Übergangspräsidentin installiert, während die venezolanische Militärführung und Teile der politischen Elite ihre Loyalität zunächst erklärten. Reagan-ähnliche Interventionen hatten das Land schon in der Vergangenheit politisch tief gespalten, nun aber stehen die Zeichen eindeutig auf Übergang und Neuordnung.


Zukunftsprognose – Balanceakt zwischen Stabilität und Reform
Rodríguez steht vor einem schwierigen Spagat: Einerseits muss sie ihr Land stabilisieren und die Wirtschaft, insbesondere den Ölsektor, wiederbeleben. Andererseits steht sie im Spannungsfeld zwischen internationalen Erwartungen (auch der USA) und inneren politischen Kräften, die noch stark vom früheren Regime beeinflusst sind. Der Rauswurf Saabs könnte ein erster Schritt sein, aber ohne strukturelle Reformen und echte Unabhängigkeit wird der Übergang weiter umkämpft bleiben. Internationale Kooperation kann zwar kurzfristig helfen, jedoch droht die Gefahr, dass Venezuela de facto zum Objekt externen Einflusses wird statt zu einer souveränen, demokratischen Nation.


OZD-Extras
Das Treffen von CIA-Direktor John Ratcliffe mit Übergangspräsidentin Rodríguez unterstreicht, wie sehr die USA in den politischen Neuordnungsprozess Venezuelas eingebunden sind – ein Novum in der jüngeren Geschichte der Region. 



Gewinnspiel
Quizfrage: Welches Ministerium übernimmt nach Saab’s Entlassung das Industrieministerium zusätzlich?
A) Außenministerium
B) Finanzministerium
C) Handelsministerium
D) Verteidigungsministerium

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Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.