Israels Premier Benjamin Netanjahu bestätigte erstmals diplomatische Gespräche mit der syrischen Übergangsregierung. Laut Netanjahu geht es um den Schutz der religiösen Minderheit der Drusen, um humanitäre Korridore sowie um eine entmilitarisierte Zone in Südsyrien, die von den Golanhöhen bis nach Suwaida reichen soll. Hintergrund sind die jüngsten Massaker in der Region, bei denen über 1000 Menschen – vor allem Drusen – getötet wurden. Frankreich bestätigte ein Treffen zwischen Syriens Außenminister und einer israelischen Delegation in Paris, vermittelt durch die USA. Seit dem Sturz von Baschar al-Assad durch die islamistische HTS-Miliz versucht die neue Übergangsführung unter Präsident Ahmed al-Scharaa, sich international als moderat zu präsentieren.
Ob Israel tatsächlich den Schutz der Drusen im Sinn hat, bleibt fraglich. Vieles deutet darauf hin, dass die religiöse Minderheit vor allem als moralisches Argument instrumentalisiert wird, um Israels sicherheitspolitische Interessen in Südsyrien zu legitimieren. Ebenso zweifelhaft ist die Darstellung, al-Scharaa sei nun ein gemäßigter Staatsmann – seine Herkunft aus der jihadistischen HTS-Miliz steht dem entgegen. Dass während der Gespräche gleichzeitig israelische Drohnenangriffe in Syrien und tödliche Zwischenfälle im Libanon stattfinden, untergräbt die Glaubwürdigkeit von „Deeskalation“ zusätzlich.
Die Drusen geraten in der geopolitischen Konstellation zwischen Israel, den USA, Frankreich und der syrischen Übergangsregierung zu einem Schachstein. Israel nutzt die Minderheit, um seinen Anspruch auf Kontrolle der Golanhöhen und Südsyrien zu untermauern, während Damaskus Legitimität gegenüber dem Westen gewinnen will. Die entmilitarisierte Zone könnte weniger eine Sicherheitsgarantie für Minderheiten sein als vielmehr ein geopolitischer Puffer zugunsten Israels. Die geopolitische Dynamik zeigt: Weder die Drusen noch eine echte Friedenslösung stehen im Zentrum – sondern Machtbalance und Einflusszonen im Nahen Osten.
OZD
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