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Der neue Wehrdienst ist gestartet

Der neue Wehrdienst nimmt konkrete Formen an: Die Bundeswehr hat mit dem Versand der ersten Fragebögen begonnen. Ziel ist eine massive personelle Stärkung der Streitkräfte – vor dem Hintergrund wachsender Bedrohungen in Europa.

Die Bundeswehr hat die ersten 5000 Briefe zum neuen Wehrdienst versandt. Sie gingen an junge Menschen des Jahrgangs 2008, die Anfang Januar volljährig geworden sind, teilte das Verteidigungsministerium am Donnerstag mit. Schrittweise sollen nun wöchentlich rund 12.500 weitere Schreiben folgen. Die Briefe enthalten einen QR-Code, der zu einem Onlinefragebogen führt.

Mit diesem Fragebogen will die Bundeswehr die Motivation und Eignung der Angeschriebenen für einen Dienst in den Streitkräften ermitteln. Abgefragt werden persönliche Daten, Angaben zu Schul- oder Berufsausbildung sowie eine Selbsteinschätzung der körperlichen Fitness. Für Männer ist das Ausfüllen verpflichtend und muss innerhalb eines Monats erfolgen, für Frauen bleibt die Teilnahme freiwillig.

Der neue Wehrdienst sieht vor, dass alle 18-jährigen Männer ab dem Jahrgang 2008 verpflichtend den Fragebogen ausfüllen und zur Musterung gehen müssen. Der eigentliche Wehrdienst bleibt jedoch zunächst freiwillig. Für Frauen gilt weiterhin vollständige Freiwilligkeit – sowohl beim Fragebogen als auch bei der Musterung.

Hintergrund der Reform sind neue Vorgaben der NATO angesichts der verschärften sicherheitspolitischen Lage in Europa. Demnach muss Deutschland im Krisen- und Verteidigungsfall bis zu 460.000 Soldatinnen und Soldaten mobilisieren können.

Verteidigungsminister Boris Pistorius verfolgt daher ein ehrgeiziges Ziel: Die aktive Truppenstärke soll von derzeit rund 184.000 auf etwa 260.000 Soldatinnen und Soldaten anwachsen. Zusätzlich soll die Reserve auf 200.000 Personen mehr als verdoppelt werden. Der neue Wehrdienst gilt dabei als zentrales Instrument, um Personal zu gewinnen, ohne sofort zur klassischen Wehrpflicht zurückzukehren.

OZD

OZD-Kommentar – Pflichtfragebogen als sanfter Einstieg in die Wehrpflicht
Der neue Wehrdienst ist ein politischer Spagat. Einerseits will die Bundesregierung die Gesellschaft nicht mit einer sofortigen Zwangseinberufung konfrontieren, andererseits reicht Freiwilligkeit längst nicht mehr aus. Der Pflichtfragebogen ist daher ein Testlauf – und möglicherweise nur der erste Schritt zurück zu einer echten Wehrpflicht, wenn sich die Sicherheitslage weiter zuspitzt.

Mini-Infobox (Lernbox)
– Start: Jahrgang 2008
– Pflichtfragebogen für Männer
– Wehrdienst bleibt vorerst freiwillig
– Ziel: bis zu 460.000 Einsatzkräfte im Ernstfall

OZD-Analyse

Sicherheitspolitischer Hintergrund
– neue Nato-Vorgaben
– gestiegene Bedrohung durch Russland
– langfristige Verteidigungsplanung bis 2035

Struktur des neuen Wehrdienstes
– a) verpflichtender Fragebogen
– b) verpflichtende Musterung für Männer
– c) freiwilliger Dienst

Gesellschaftliche Auswirkungen
– Debatte über Gleichstellung
– mögliche Rückkehr zur Wehrpflicht
– stärkere Präsenz des Militärs im Alltag

Historischer Hintergrund
Die allgemeine Wehrpflicht wurde in Deutschland 2011 ausgesetzt. Seitdem setzte die Bundeswehr vollständig auf Freiwilligkeit – mit begrenztem Erfolg. Angesichts des Ukraine-Krieges und neuer Nato-Planungen rückt nun erstmals seit über einem Jahrzehnt wieder ein verpflichtendes Element in den Fokus der Personalgewinnung.

Zukunftsprognose
Sollten die angestrebten Personalzahlen nicht erreicht werden, dürfte der politische Druck steigen, den Wehrdienst schrittweise zu verpflichten. Eine Rückkehr zur klassischen Wehrpflicht ab den frühen 2030er-Jahren gilt inzwischen nicht mehr als Tabu, sondern als realistische Option.

Quizfrage
Welches Ziel verfolgt die Bundeswehr mit dem neuen verpflichtenden Fragebogen?


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OZD-Extras
Deutschland müsste im Verteidigungsfall fast jeden zwanzigsten Erwachsenen mobilisieren, um die Nato-Zielmarken zu erfüllen.

Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.