Fakten im Überblick
Jordaniens Fußball-Verbandspräsident Prinz Ali bin al-Hussein kritisiert die Unterstützungserklärung des asiatischen Kontinentalverbandes AFC für FIFA-Präsident Gianni Infantino.
AFC-Präsident Scheich Salman bin Ibrahim al-Khalifa hatte beim Kongress in Tokio erklärt, der asiatische Fußball stehe uneingeschränkt hinter Infantino.
Die nächste FIFA-Präsidentenwahl ist für März 2027 in Rabat in Marokko vorgesehen. Die europäische UEFA strebt einen Wechsel an der FIFA-Spitze an.
Der Machtkampf um die Führung des Weltfußballverbandes FIFA gewinnt wenige Monate vor der Präsidentenwahl im März 2027 an Schärfe. Jordaniens Fußball-Verbandspräsident Prinz Ali bin al-Hussein hat die asiatische Fußballkonföderation AFC und deren Unterstützung für Amtsinhaber Gianni Infantino öffentlich kritisiert. Der 50-Jährige widersprach insbesondere dem Eindruck, die asiatischen Mitgliedsverbände hätten sich bereits geschlossen auf eine Unterstützung Infantinos verständigt. Damit rückt eine grundlegende Frage in den Mittelpunkt: Wer entscheidet tatsächlich über die Führung des Weltfußballs?
Auslöser war eine Erklärung von AFC-Präsident Scheich Salman bin Ibrahim al-Khalifa beim Kongress des asiatischen Kontinentalverbandes in Tokio. Salman hatte betont, die AFC stehe "uneingeschränkt" hinter Infantino. Er begründete dies mit Gesprächen innerhalb des Verbandes: "Ich habe mit zahlreichen Mitgliedern auf diesem Kontinent gesprochen. Ihre Unterstützung für Gianni ist ganz klar." Diese Darstellung ließ Prinz Ali nicht unwidersprochen. Auf der Plattform X erinnerte er an die Eigenständigkeit der nationalen Fußballverbände: "Wenn es um Wahlen zum FIFA-Präsidenten geht, haben die Präsidenten der Kontinentalverbände kein Mitspracherecht: Die Abstimmung erfolgt durch jeden einzelnen Mitgliedsverband".
Der jordanische Verbandspräsident erhob darüber hinaus schwere Vorwürfe gegen den Ablauf des AFC-Kongresses. Die ersten beiden Veranstaltungstage hätten nach seiner Darstellung noch dem Fußball gegolten. Anschließend sei die Zusammenkunft politisch geprägt gewesen. "Der letzte Tag hingegen war reine Politik – auf Betreiben von Gianni Infantino", erklärte al-Hussein. Besonders kritisierte er, dass eine gemeinsame asiatische Position zur FIFA-Wahl vermittelt worden sei, obwohl die Mitgliedsverbände nach seiner Darstellung keine Gelegenheit zur offenen Aussprache erhalten hätten. "Tatsächlich durfte jedoch niemand das Wort ergreifen, Fragen stellen, diskutieren oder mit den Medien sprechen."
Der Konflikt zwischen Prinz Ali und der FIFA-Führung reicht bereits weiter zurück. Al-Hussein war 2015 als Herausforderer des damaligen FIFA-Präsidenten Joseph Blatter angetreten. Im Sommer 2026 erhob er erneut Vorwürfe gegen den Weltverband. Nach seiner Darstellung seien Prämien zurückgehalten worden, um politischen Druck zugunsten Infantinos auszuüben. Dabei handelt es sich um Anschuldigungen des jordanischen Verbandspräsidenten, nicht um gerichtlich festgestellte Tatsachen.
Auch zwischen den großen Kontinentalverbänden verlaufen die Konfliktlinien. Die europäische Fußball-Union UEFA will nach Angaben der vorliegenden Meldung bei der Wahl im März 2027 in Rabat einen Wechsel an der FIFA-Spitze erreichen. Zuvor hatten sich UEFA, AFC und der nord- und mittelamerikanische Verband CONCACAF gegen ein inzwischen gescheitertes Investorenvorhaben Infantinos gestellt. Inzwischen hat sich die AFC-Führung öffentlich auf die Seite des FIFA-Präsidenten gestellt. Unterstützung erhält Infantino laut der Agenturmeldung außerdem aus Afrika und Südamerika sowie aus großen Teilen Ozeaniens.
Infantino selbst sieht seine Position gestärkt. Am Samstag erklärte der FIFA-Präsident, die "überwiegende Mehrheit" des Weltfußballs stehe hinter ihm. Ob sich diese Unterstützung bei der Wahl tatsächlich in Stimmen niederschlägt, bleibt jedoch offen. Denn nicht die Präsidenten der Kontinentalverbände entscheiden über das FIFA-Präsidentenamt, sondern die stimmberechtigten nationalen Mitgliedsverbände. Gerade dieser Unterschied zwischen politischen Unterstützungserklärungen und dem tatsächlichen Wahlverfahren steht im Zentrum der aktuellen Auseinandersetzung.
OZD/AFP
OZD-Kommentar – Wem gehört die Stimme des Weltfußballs?
Der Streit zwischen Prinz Ali bin al-Hussein und der asiatischen Fußballführung betrifft mehr als persönliche Rivalitäten. Er berührt die Frage, wie demokratisch und transparent die Macht innerhalb der FIFA organisiert ist.
Kontinentalverbände dürfen selbstverständlich politische Positionen vertreten und Unterstützung für Kandidaten signalisieren. Problematisch wird es allerdings, wenn eine solche Erklärung den Eindruck einer geschlossenen Entscheidung vermittelt, ohne dass erkennbar ist, ob sämtliche Mitgliedsverbände tatsächlich beteiligt waren.
Die Kritik aus Jordanien verweist damit auf einen entscheidenden Unterschied: Politische Führung bedeutet nicht automatisch ein Mandat für jede einzelne nationale Fußballorganisation.
Zugleich sind die Vorwürfe al-Husseins sorgfältig von gesicherten Tatsachen zu trennen. Seine Darstellung des Kongressablaufs ist eine öffentliche Anschuldigung, deren Einzelheiten anhand der vorliegenden Meldung nicht unabhängig überprüft werden können.
Für die FIFA wäre ein transparenter Wahlprozess ein wichtiges Signal. Je stärker die Auseinandersetzung von Machtblöcken und Unterstützungserklärungen geprägt wird, desto größer wird die Bedeutung einer nachvollziehbaren und eigenständigen Stimmabgabe der Mitgliedsverbände.
Historischer Hintergrund
Die FIFA ist der internationale Dachverband des Fußballs und organisiert unter anderem die Fußball-Weltmeisterschaften. Ihre Mitglieder sind nationale Fußballverbände, die zugleich regionalen Kontinentalverbänden angehören.
Die FIFA-Führung war bereits in der Vergangenheit Gegenstand heftiger politischer Auseinandersetzungen. Besonders deutlich wurde dies 2015, als der langjährige Präsident Joseph Blatter mit einer schweren Krise des Weltverbandes konfrontiert war. Prinz Ali bin al-Hussein trat damals als Gegenkandidat an.
Gianni Infantino übernahm 2016 das Präsidentenamt. Seitdem prägen unter anderem die wirtschaftliche Entwicklung des Weltfußballs, die Ausweitung internationaler Wettbewerbe und das Verhältnis zwischen FIFA und Kontinentalverbänden seine Amtszeit.
Die aktuelle Auseinandersetzung zeigt, dass Fragen der Machtverteilung und Mitbestimmung auch vor der Wahl 2027 eine zentrale Rolle spielen.
Zukunftsprognose
Bis zur vorgesehenen FIFA-Präsidentenwahl im März 2027 dürfte die politische Positionierung der Kontinentalverbände weiter an Bedeutung gewinnen.
Dabei könnten einzelne nationale Verbände stärker darauf bestehen, ihre Unterstützung unabhängig von öffentlichen Erklärungen ihrer Kontinentalführung festzulegen. Ebenso ist möglich, dass die verschiedenen Lager versuchen werden, weitere Verbände für ihre Position zu gewinnen.
Welche Kandidaten letztlich antreten und wie die Wahl ausgeht, lässt sich aus den vorliegenden Informationen nicht zuverlässig ableiten.
Wirtschaftlich könnte ein anhaltender Konflikt vor allem Diskussionen über künftige Wettbewerbsformate, Vermarktungsmodelle und Investitionsentscheidungen beeinflussen. Eine konkrete unmittelbare Reaktion der Finanzmärkte ist aus der Meldung jedoch nicht belegbar.
Wer ist Prinz Ali bin al-Hussein?
Prinz Ali bin al-Hussein ist Präsident des jordanischen Fußballverbandes. Der 50-Jährige gehört seit Jahren zu den bekannten Persönlichkeiten der internationalen Fußballpolitik. Bereits 2015 kandidierte er gegen den damaligen FIFA-Präsidenten Joseph Blatter.
Wer ist Gianni Infantino?
Gianni Infantino ist seit 2016 Präsident des Weltfußballverbandes FIFA. Der frühere UEFA-Funktionär steht an der Spitze der Organisation, die den internationalen Fußball und seine wichtigsten Wettbewerbe koordiniert.
Was ist die AFC?
Die Asian Football Confederation, kurz AFC, ist der asiatische Kontinentalverband des Fußballs. Sie organisiert internationale Wettbewerbe in Asien und vertritt die Interessen ihrer Mitgliedsverbände innerhalb der internationalen Fußballstrukturen.
Wer wählt den FIFA-Präsidenten?
Der FIFA-Präsident wird von den stimmberechtigten Mitgliedsverbänden des Weltverbandes gewählt. Die Präsidenten der Kontinentalverbände können politische Unterstützung erklären, verfügen aber nicht über die Stimmen ihrer nationalen Mitgliedsverbände.
Wann und wo findet die nächste FIFA-Präsidentenwahl statt?
Nach den Angaben der vorliegenden Agenturmeldung ist die Wahl für März 2027 in Rabat, der Hauptstadt Marokkos, vorgesehen.
OZD-Extra – Warum Unterstützungserklärungen noch keine Wahlstimmen sind
Im internationalen Fußball haben die Kontinentalverbände erheblichen politischen Einfluss. Sie koordinieren Wettbewerbe, vertreten regionale Interessen und bringen zahlreiche nationale Verbände zusammen.
Bei der Wahl des FIFA-Präsidenten ist jedoch die Stimme des einzelnen nationalen Mitgliedsverbandes entscheidend. Deshalb muss eine öffentliche Unterstützungserklärung eines Kontinentalpräsidenten nicht zwangsläufig das spätere Abstimmungsverhalten sämtlicher Mitgliedsverbände widerspiegeln.
Genau darin liegt die Besonderheit des aktuellen Konflikts: Prinz Ali stellt nicht nur die politische Position der AFC-Führung infrage, sondern insbesondere die Frage, ob diese Position als gemeinsamer Wille des asiatischen Fußballs dargestellt werden darf.
Gewinnspiel
In welcher Stadt soll nach der vorliegenden Meldung die FIFA-Präsidentenwahl im März 2027 stattfinden?
A: Tokio
B: Zürich
C: Rabat
D: Paris
Jetzt beim großen OZD-Gewinnspiel 2026 mitmachen und Gutscheine gewinnen.
Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.